Erste Fahrt 2018

Letztes Wochenende bin ich zum ersten Mal mit meiner Z200 dieses Jahr gefahren. Es war eine wundervolle Fahrt, ich hatte wieder ein breites Grinsen im Gesicht 🙂

Es war die erste Fahrt über 20km, auf der kein Teil losvibriert oder abgefallen ist. So langsam wird sie so zuverlässig wie die DBK 🙂

IMG_20180422_172920_3

Fahrerprobung

Dieses Jahr war ich schon ausgiebig mit der Z200 unterwegs. Leider hat sich bei jeder Probefahrt bisher eine andere Schraube gelöst, so ist z.B. kurz vor dem Ziel eine Schraube des Zündverstellhebels davon geflogen, ein Mal kam kein Sprit mehr weil vermutlich die Tankentlüftung verstopft war und bei der letzten Ausfahrt auf dem 100 Jahre Zündapp Treffen in Sigmaringen habe ich die Schraube des Kupplungsgriffes verloren sodass ich mit der rechten Hacke kuppeln musste. Das war erst mal extrem ungewohnt, hat aber letztendlich doch ganz gut funktioniert. Ich hoffe dass ich demnächst mal weiter komme ohne wieder was festziehen zu müssen… ich bin jedenfalls dabei, nach und nach die Schrauben mit Loctite zu sichern…

Meine Z200 in Sigmaringen in der Ausstellung der „Vintage“-Modelle (Motorräder 1922 bis 1932)

Zugelassen

Mittlerweile ist auch die letzte Hürde genommen, sie ist zugelassen und hat nun Papiere 🙂

Natürlich musste gleich eine Probefahrt machen, die Sonnenstrahlen ausgenutzt…

erste_fahrt_1

Jetzt fehlt nur noch der richtige Tacho, der ist gerade zum Anfertigen einer Tachowelle weg und ein richtiger Halter für das Rücklicht. Das Rücklicht ist eigentlich mit dem originalen hinteren Kennzeichen integriert (Häckel), leider muss ich das nun umbauen…

TÜV

Dei erste Hürde, der TÜV mit Vollgutachten nach §21, ist genommen 🙂 Hat sogar erstaunlich gut geklappt, der Prüfer war recht angetan von der alten Technik und dem Zustand der Zündapp… dadurch dass ich sehr viele alte Unterlagen und einige Kopien von Original-Fahrzeugbriefen aus den 30ern und 50ern dabei hatte, waren die technischen Daten auch kein Problem. Weiter gehts 😉

img_20161101_153143kk

Zulassungsmarathon

Weil sie gleich von Anfang an so schön gelaufen ist und auch sonst einen guten Eindruck macht, habe ich nun den Zulassungsmarathon begonnen. Als erstes bei der Zulassungsstelle angefragt, wie bei der DBK schon direkt beim Leiter der Zulassungsstelle und auch gleich per Email alle Unterlagen wie Kaufvertrag und Fahrgestellnummernliste mitgeschickt. Nachdem ich eine Woche nichts gehört hatte, habe ich mal angerufen und nachgefragt ob die Email angekommen ist. Ist sie meinte der gute Mann, momentan scheint aber jeder seine Fahrzeugpapiere verloren zu haben… deshalb dauert es noch ein bisschen. Aber die Maschine stand ja eh schon über 60 Jahre da machen ein paar Wochen ja auch nichts mehr aus… schöne Aussichten…

Währenddessen habe ich den TÜV kontaktiert und nachgefragt, was ich bei so einem alten Motorrad alles beachten muss. Die Dame gab mir gleich den zuständigen Ingenieur ans Telefon, der meinte nur dass auf jeden Fall ein Tacho verbaut sein muss, da gebe es eine Nachrüstpflicht. Also habe ich erst einmal einen digitalen Motorrad-Computer bei Sigma Sport, die eigentlich für Fahrradcomputer bekannt sind, bestellt. Nachdem der da war, sah das aber so schrecklich aus dass ich nach einem zeitgenössischen Tacho Ausschau gehalten habe. Weil ich davon aber gar keine Ahnung und bei 0 angefangen habe, ist gleich eine kleine Unterseite meier Zündapp-Website entsanden: http://zuendapp.x19world.de/index.php?go=tachos

Zeitgleich habe ich begonnen bei den einschlägigen Internetportalen nach alten Tachos zu suchen und habe mit Michael Leitner Kontakt aufgenommen, der alte Tachos und Tachoantriebe wie es in den 20ern üblich war nachfertigt. Nachdem ich einen schönen alten Deuta-Tacho gekaut habe, muss der nun zu Herrn Leitner damit dieser eine Tachowelle und den passenden Antrieb mitsamt Übersetzung anfertigen kann.

Diese Woche bekam ich das o.k. von der Zulassungsstelle, sodass ich nun doch nächste Woche mit dem digitalen Motorrad-Tacho zum TÜV fahren werde, aber trotzdem auf Dauer den schönen alten 20er-Jahre-Tacho verbauen werde wenn es soweit ist. Eine Woch darauf habe ich dann den Termin beim Chef der Zulassungsstelle, ich hoffe dass alles klappt mit dem TÜV und ich dann auch ein schönes kleines Kennzeichen bekomme wie bei der DBK…

img_20161022_093635k

Erste Probefahrt

Sie Läuft!

Endlich war es soweit, die Kabel waren eingezogen, Bowdenzüge fertig montiert und alles beisammen. Also Sprit rein und gucken ob alles dicht ist… das war es, also raus und gucken ob sie anspringt… tatsächlich, auf den ersten Kick sprang sie an! Und lieff wunderbar im leerlauf 🙂

Also rauf auf die Straße, nochmal kurz den Luftdruck gecheckt und die bremse vorne nachgestellt und mal geschaut wie sie läuft, kuppelt und schaltet…

Die Probefahrt ergab, alles funktioniert, sie kuppelt super, muss nix nachgestellt werden, sie schaltet super, Gang fällt nicht raus und sie zieht am Berg richtig gut vor allem wenn man die Zündung in Richtung früh stellt 🙂 Einfach nur herrlich!

Jetzt brauche ich noch einen Rückspiegel und einen Tacho (Fahrradtacho für’s erste) dann kann ich damit zum TÜV und sie zulasssen. Das kläre ich aber nun erst mit der Zulassungsbhörde ab…

 

 

Tank

Der Tank hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet. Da die Maschine sehr lange in diversen Sammlungen gestanden ist, war er trocken und hatte innen Ablagerungen am Boden. Ich habe mir vorgenommen ihn zu reinigen und zu beschichten und habe mir von Ammon (http://tanksiegel.de/) Kreem rot gekauft. nachdem ich dann das Thema lange Zeit vor mir hergeschoben habe musste ich mich irgendwann darum kümmern… mittlerweile habe ich viel gelesen, die einen raten zur Tankversiegelung, von wieder anderen hört man Horrorgeschichten von abgelösten Tankversiegelungen. Einige raten dazu den Tank lediglich zu reinigen und so zu lassen.

Das alles hat mich sehr verunsichert sodass ich erst einmal mein Endoskop ausgepackt und den Tank genau inspiziert habe. Dabei heraus kam, dass im Innern so gut wie kein Rost vorhanden ist sondern lediglich dunkle Ablagerungen an der Unterseite. Dann habe ich den Tank gründlich mit Wasser ausgewaschen bis kein Schmutzer mehr heraus kam. Dann habe ich alles noch einmal genauestens inspiziert und mich dann dazu entschlossen, alles so zu lassen wie es ist…

Scheinwerfer und Elektrik

Nachdem alle Kettenräder kamen und inklusive Ketten montiert waren, konnte ich mich an die Bowdenzüge und die Elektrik machen. Erstere waren schnell hergestellt, natürlich wieder wie bei der DBK 200 baumwollummantelte vom Kabel-Schmitt. Danach musste erst mal der Batteriehalter montiert werden und dann ging es an den Scheinwerfer.

Der Scheinwerfer wurde mitsamt dem Rücklicht und dem Licht-Magnetzünder in den 1930ern nachgerüstet. Der Scheinwerfer ist ein Bosch ES 150, der Magnet ein Bosch D1 Zünder und das Rücklicht muss ebenfalls von Bosch sein, welches an einem Häckel Halter am hinteren Kennzeichen befestigt ist.

Leider fehlt beim Scheinwerfer der große Knebel zum Einschalten des Lichtes. Von einem guten Freund bekam ich so einen Schalter, den ich im CAD nachmodellieren konnte. Eigentlich wollte ich ihn mit meinem 3D-Drucker ausrucken und ein experiment wagen, ihn in Aluminium nachzugießen. Aber das 3D-Druck-Ergebnis sah schon so gut aus dass ich ihn so gelassen habe. Modernste Technik trifft 20er Jahre Vorkriegstechnik 🙂

Anschließend wurde alles gründlich gereinigt, vor allem die Kontakte sahen so aus als würden sie nicht mehr viel Strom durch lassen sondern ihn eher mit viel Widerstand aufhalten… dann mit etwas frischem Fett zusammengebaut. Danach habe ich die Kabel verlegt und alles angeschlossen, und siehe da, es werde Licht 😉

Hinteres Schutzblech und Gepäckträger

Weiter gehts mit dem hinteren Schutzblech. Das Schutzblech wurde mitsamt dem Gepäckträger demontiert, da die Schrauben welche das Schutzblech am Gepäckträger halten alle festgerostet waren. Die mussten aber auf, da die Halterungen mit der Zeit verbogen waren und der Kotflügel an den Halterungen hin und her rutschte. Leider musste ich die meisten Schrauben zerstören, da sie beim besten Willen nicht mehr auf gingen. Ich habe mir wieder Rundkopfschrauben nach DIN 86 besorgt, mit denen der Koflügel nach der Reinigung und Konservierung wieder mit dem Gepäckträger verschraubt wurde.

Wie beim vorderen Kotflügel wurde der hintere erst gründlich vom Dreck befreit, auch dieser war auf der Innenseite mit roter Farbe versehen. Im Bereich der Halterungen war der Kotflügel stark verrostet, hier wurde mit Rostumwandler gearbeitet damit es hier nicht weiter rostet. Ebenso habe ich die Ränder mit Oberflächenrost mit Rostumwandler behandelt und nach dem Trocknen den Kotflügel mit einem mit Leinölfirnis getränkten Lappen behandelt und anschließend den überschüssigen Firnis wieder abgewischt damit der Kotflügel nicht glänzt wie eine Speckschwarte. Ebenso wurde das originale hintere Kennzeichen mitsamt dem Häckel-Halter und dem Rücklicht konserviert. Zum Abschluss wurde der Kotflügel von innen mit Elaskon Aero 46 eingewachst.

kotfluegel_hinten_innen kotfluegel_hinten_aussen

Vorderradgabel und Schutzblech

Da die Gabel eh schon zerlegt war wurde auch gleich das Schutzblech aufbereitet. Hierzu wurde es gründlich mit warmem Wasser und Spüli gereinigt. Das Innere des Schutzbleches ist mit roter Farbe behandelt, vermutlich hat das mal jemand aufgetragen um die Innenseite vor Korrosion zu schützen.

Da der Lack auf der Oberseite noch weitgehend original erhalten ist aber teilweise über winzige Rostpickelchen verfügt, habe ich mal eine neue Art und Weise des Konservierens ausprobiert. Der Rostumwandler kam nicht un Frage, da ich nicht das gesamte Schutzblech damit einpinseln wollte. Stattdessen habe ich nur die offenen Roststellen den Rändern damit behandelt. Anschließend habe ich den Rest mit Leinölfirnis eingerieben, indem ich einen weichen Lappen benetzt habe und über die lackierte Flächen gefahren bin. Nachdem der Firnis ca. 1 Stunde schön in die Rostpickel eingezogen ist, habe ich den überschüssigen Leinölfirnis wieder mit einem trockenen Tuch entfernt. Dadurch glänzte die Fläche nicht wie eine Speckschwarte sondern fügt sich nun schön ins Gesamtbild ein.

Nachdem die Vorderradgabel wieder zusammen gabaut war, kam sie mit frisch gefetteten Bolzen und Lenkkopflager wieder in den Rahmen.